„SPORTaktiv Doc“-Serie: Sportmediziner Robert Fritz darüber, warum eine Leistungsdiagnostik nicht nur für Leistungsorientierte nützlich ist, sondern für alle, die ihre Trainingszeit effizient nutzen wollen. 

Christof Domenig
Christof Domenig

Der Begriff „Leistungsdiagnostik“ kann zugegeben irritieren. Speziell von Sporteinsteigern höre er aber auch dieses abwehrende Argument öfters, erzählt Robert Fritz: „Bei meinen Werten lachen mich doch alle aus. Ich möchte erst eine Zeitlang trainieren, damit sich die Diagnostik auch auszahlt.“ 

In Wahrheit jedoch, versichert der Sportmediziner, ist gerade auch für Sporteinsteiger eine Feststellung des aktuellen Fitness-Zustandes vom ersten Tag weg sehr wertvoll: „um zu wissen, wo jemand wirklich steht – und einen Plan zu schmieden, wie man ein Training vernünftig aufbaut. Man spart sich so viele Fehler und Umwege. Und das Training macht auch viel mehr Spaß, wenn es zielgerichtet ist und entsprechend wirkt.“

Hat man sich für eine Leistungsdiagnostik entschieden, steht man noch vor der Frage, ob sie in Verbindung mit einer sportmedizinischen Untersuchung durchgeführt wird – oder ob eine rein sportwissenschaftliche Diagnostik reicht. Zumindest in der Sportordination in Wien, wo Robert Fritz tätig ist, sowie in anderen großen sportmedizinischen Zentren kann man einen Arzt mit einbeziehen. Was für bestimmte Zielgruppen auch sehr zu empfehlen ist: Wer über 35 ist oder bekannte Risikofaktoren wie erhöhte Cholesterinwerte oder Übergewicht hat oder auch wo Herzprobleme in der Verwandtschaft bekannt sind – für all die macht die sportmedizinische Variante mit einem Belastungs-EKG unbedingt Sinn. Sonst heißt es: Gesund und medizinisch überprüft zur Diagnostik kommen.

Eine zweite Frage, die vorab zu klären ist: Laktattest oder (zusätzliche) Spiroergometrie? „Laktat ist ein Stoffwechselparameter, der leicht beeinflussbar ist“, erklärt Fritz dazu. „Wenn ich zu knapp vor dem Laktattest etwas gegessen habe, oder am Tag zuvor intensiv trainiert habe, beeinflusst das schon die Ergebnisse.“ Das Mindeste, das beim Laktattest mitgemacht werden sollte, wäre eine Bestimmung der Glukosewerte, also des Blutzuckers. Auf Nummer sicher geht man mit zusätzlicher Spiroergometrie, also der Bestimmung der Atemgase O2 und Co2 – was das Verfahren jedoch kostspieliger macht.
 

Wichtig ist, wirklich langsam zu starten, um den Grundlagen­bereich nicht zu verpassen.

Der Testablauf
Wichtig ist drittens auch noch, dass sportartspezifisch getestet wird. Läufer am Laufband, Radfahrer am Ergometer – und wer andere Sportarten bevorzugt, wählt die Methode, die der eigenen Sportart näher kommt. Nach dem Anamnesegespräch wird mit möglichst leichter Belastung (oft Gehen am Laufband oder Radeln mit ganz niedrigen Wattwerten am Ergometer) gestartet und dann in regelmäßigen Abständen ein Tropfen Blut vom Ohrläppchen abgenommen. „Wichtig ist, wirklich langsam genug zu starten. Denn wenn die erste Belastungsstufe bereits zu hart gewählt wird, verpasst man den Grundlagenbereich“, erklärt Fritz und fügt hinzu: „Was klar ein Fehler des Testers und nicht des Probanden ist.“

Der Sportmediziner rät übrigens auch, sich die Qualifikation seines gewählten Diagnostikers vorab anzuschauen: Heute seien viele Anbieter zum Glück gut   ausgebildet, etwa als Sportwissenschafter oder Trainer mit hochwertiger Ausbildung (z. B. von der Bundessportakademie). Es gebe aber auch einige, die über eine weniger gute Ausbildung verfügen – das Gesetz erlaubt das auch.
Zurück zum Testverfahren: Durch die stufenweise gesteigerte Belastung sammelt sich sukzessive mehr Laktat als Stoffwechselprodukt im Blut an. Nach der Analyse und Auswertung ergibt sich eine Kurve, aus der sich der Fitnesszustand des Testkandidaten herauslesen lässt. Auch danach kommt es sehr auf die Qualität der Beratung an, sagt Robert Fritz. „Das Mindeste nach einer Leistungsdiagnostik ist eine vernünftige Auswertung, die man auch versteht. Man sieht zwei Graphen, einer beschreibt die Herzfrequenz, der andere die Laktatwerte, nach deren Verlauf man den Muskelstoffwechsel beurteilen kann.“ Auch wo sich die persönlichen Trainings-Herzfrequenzbereiche befinden, können Experten daraus ableiten. Selbsterklärend ist das alles jedoch nicht. 

Ein überschaubarer ­finanzieller Aufwand, um sich leere Trainings­kilometer zu ersparen.

„Immer wieder höre ich, dass Leute zwar eine Auswertung bekommen, aber keine Empfehlungen dazu“, kritisiert der Sportmediziner. Aus dem Test abgeleitete Trainingsempfehlungen sind in der „Sportordination“ immer im Preis enthalten. „Wie eine Obstschüssel“, beschreibt es Fritz, „wo die Früchte, sprich die wöchentlichen Trainingseinheiten in den jeweiligen Ziel-Herzfrequenzzonen drin sind und die man sich dann individuell herausnimmt.“ Wer will, kann sich aber auch einen detaillierten, Tag für Tag aufgeschlüsselten Trainingsplan erstellen lassen – freilich auch das eine Kostenfrage.  „Bei den Trainingsempfehlungen ist wichtig, dass sie auch realistisch sind, die Zeitressourcen und Vorlieben des Betreuten berücksichtigen und zu dessen Alltag passen. Denn sonst landen die Empfehlungen mit hoher Wahrscheinlichkeit bald ungenutzt im Kasterl.“ 

Zum herzfrequenzgesteuerten Training empfiehlt der Sportmediziner einen Brustgurt zu verwenden, weil die heute verbreitete Handgelenksmessung der Sportuhren bei vielen Menschen aus Erfahrung doch noch zu ungenau sei: „Die Uhren sind für die Überwachung der Alltagsaktivität sehr gut – im Training stimmen aber bei vielen die Werte nicht.“

Schwarz auf weiß
Nach einer gewissen Zeit, sinnvollerweise oft nach drei Monaten, erfolgt der Re-Check, der dann objektiv zeigt, ob die gesetzten Maßnahmen fruchten. „Das Motivierende ist, dass man es selbst schwarz auf weiß sieht, was sich getan hat, wo man besser geworden ist. Der Experte sieht auch ganz genau, in welchen Bereichen trainiert wurde, wo es Verbesserungen gegeben hat und wo vielleicht Trainingsfehler passiert wird. Es motiviert einfach, wenn man selbst sieht, wie sich seine Kurve im direkten Vergleich verschoben hat.“

Und die Kosten? „Bei uns in der Sportordination liegt eine einfache Laktatmessung inklusive Auswertung und Trainingsempfehlung mit zwei Stunden Gesamtdauer bei 150 Euro“, erklärt Fritz, „mit Spiroergometrie landet man bei rund 250 bis 300 Euro.“ Einfache Laktatmessungen seien mitunter auch um 70 Euro zu haben – „die müssen nicht schlecht sein“, sagt Robert Fritz. Eine ständige Trainingsbetreuung mit exakt vorgegebenem Trainingsplan ist in der Sportordination ab 90 Euro zu haben. Das ist aber schon ein Topservice, das nicht jeder braucht. Insgesamt ist der finanzielle Aufwand absolut überschaubar, wenn man sich dafür leere Trainingskilometer erspart. 

Dr. Robert Fritz
Dr. Robert Fritz

Der Sport- und Ernährungsmediziner ist einer der Gründer und medizinischer Leiter einer Unit der „Sportordination“ in Wien und einer der bekanntesten Sportärzte in Österreich. Als „SPORTaktiv-Doc“ beleuchtet er kompetent in jeder Ausgabe ein Sport- oder Ernährungsthema.


Web: www.sportordination.com